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Orgelneubau für Halle (Westfalen) PDF 打印 电子邮件

Hier geht’s zum Artikel zur Orgel von Markus Stein.
Unsere neue Orgel für die Kath. Pfarrkirche Herz Jesu in Halle/Westfalen ist fertiggestellt. In über 4300 Arbeitsstunden ist dieses Meisterwerk entstanden. Die Orgel enthält viele tausend Einzelteile, die zu diesem Meisterwerk heutiger Orgelbaukunst zusammengefügt wurden.
1332 Orgelpfeifen aus Holz und unterschiedlichsten Zinn/Blei-Legierungen geben der neuen Orgel Ihre Klangfülle. Insgesamt wurden über 8 m³ Eschenholz sowie weitere heimische Holzarten verarbeitet.
 
 
Foto:
Markus Stein ID-Kommunikation
http://www.id-stein.de
Für eine vergrößerte Darstellung bitte auf das Bild klicken

 

Organist Markus Stein an der alten und neuen Orgel in Herz Jesu - Halle/Westfalen


 
Die Arbeiten

 
Der Einbau des Basson 16’ in Halle durch OBM Heinz Jäger und OB Gerhard Rinderle erfolgte ab dem 13. November 2006.
Somit ist die neue symphonische Orgel in Halle  komplett.
Im Bild die Füße des neuen Basson 16´Registers.
Einige der Pfeifen erhielten durch die begrenzte Bauhöhe eine sogenannte Pfeifenkröpfung, d.h. ein Teil der Pfeife wird "abgeknickt" - technisch gesehen wird hier ein Teil der Pfeife abgeschnitten und im 45° Grad Winkel wieder angelötet. Dieser Kröpf hat keinen Enfluß auf den Klang einer Pfeife.
Orgelbaumeister Heinz Jäger (im Bild links) bei der Intonation der neuen Orgel.
Unser Montageteam hat in der Woche vom 18. bis 25. November die technische Montage vor Ort in der Kirche vorgenommen.

Montageteam mit

OBM Wolfgang Brommer - im Aufzug
Orgelbauer Frieder Asch - auf der Leiter
Schreinermeister Jürgen Lay - stehend
OBM Uli Sekat - an der Zahnstange
Daniela Rosemeyer oben - sitzend
Das Untergehäuse steht. Es folgen nun die mechanischen Elemtente wie Traktur, Registermechanik und Windversorgung.
Der Aufbaubeginn: Frieder Asch und Jürgen Lay vermessen akriebisch den neuen Standort für die Orgel.
Ein Blick von der Empore auf alle Orgelteile in der Kirche.
Die Orgel wurde in einen LKW verladen und nach Halle in Westfalen gebracht. Nun werden alle Teile vorsichtig in das Kirchenschiff geschafft um dann Stück für Stück wieder zusammengesetzt zu werden.



Die Arbeiten in der Werkstatt

 
Die Orgel ist fertig. Nun folgen der Abbau und die Oberflächenbehandlung.
Unser Orgelbauer Martin Steiner setzt hier die Prospektpfeifen ein. Dazu braucht es einen geschulten Blick und viel Erfahrung.
Der 3 manualige Spieltisch nimmt Formen an, die Tasten sind eingebaut.
Das neue Rückpositivgehäuse.
Hier entstehen gerade die Seitenwände. Sie sind mit lösbaren Schlitz und Zapfenverbindungen versehen um sie später zum Transport zerlegen zu können.
Alles Kränze sind fertig verleimt. Nun folgen die Gehäusefriese und die Seitenteile der Orgel.
Der Kranz des Mittelturms wird verleimt. Die Gehrungen müssen mit höchster Präzision zugeschnitten werden.
Die Pfeifenstöcke sind ebenfalls langjährig abgelagertem Eschenholz gefertigt.
Die neuen Windladen. Im Hintergrund die Pedallade auf der die großen Pfeifen der Pedalregister ihren Platz finden werden.
Ein Blick auf das gebohrte Windladenfundament. Auf jedem dieser Löcher steht später eine Pfeife.
   
Der Spieltisch enthält alle seine mechanischen Elemente, nun folgt der Einbau der Tasten. Sie werden aus feinstjährigen Tannenholz gefertigt, die Tastenbeläge aus Ebenholz für die Untertasten und Knochen für die Obertasten. Über den Klaviaturbacken gut zu sehen ist die Koppelmechanik.
Die Spielmechanik besteht aus vielen tausend bewegten Mechanikteilen. Im Bild links stellt unser Spieltischbauer Frieder Asch den Gang für die Pedalkoppel an kleinen Stellringen ein.

Unser Entwurf  2003.




Orgelweihe am 18. Dezember 2005
 
OBM Heinz Jäger berichtet über seine Arbeit zur Intonation im feierlichen Rahmen des Gottesdienstes.
Anstatt des Orgelweins gab es von der Gemeinde "Orgelbier" für die Erbauer der Orgel. Links unten im Vordergrund steht das Model zur Orgel.
Organist Markus Stein führte musikalisch durch den Weihe-Gottesdienst.

Im Hintergrund Pfarrer Josef Dieste beim Hören der ersten Klänge nach der Weihe.




Markus Stein:

Neue konzeptionelle Wege für eine symphonische Orgel in Halle/Westfalen

Jede Kirche hat ihre ganz eigene Orgelgeschichte. Das ist bei der Kath. Pfarrkirche Herz-Jesu in Halle/Westfalen am Teutoburger Wald nicht anders. Die relativ kleine Kirche im neogotischen Baustil mit ca. 250 Sitzplätzen besitzt eine vergleichsweise kleine Empore in der Größe von ca. 4 m Breite, 4 m Tiefe und nur 3 m Höhe, wobei ein gotischer Spitzbogen noch zusätzlich die Verbindung von Empore zum Kirchenschiff verengt. Eine Voraussetzung also, die klanglich für die Aufstellung einer Orgel nicht gerade unproblematisch ist.

Die Vorgängerorgel

Die Vorgängerorgel wurde erst Anfang der 1980er Jahre eingebaut, war aber in vielerlei Hinsicht sehr unbefriedigend. Mit der Absicht, das mittige Emporenfenster freizulassen, wurde damals ein denkbar ungünstiger Orgelstandort gewählt. Zum einen standen die beiden Windladen der elektrischen Schleifladenorgel um 90° verdreht zum Kirchenschiff, d. h. das Hauptwerk/Pedal auf der einen Turmseite und genau gegenüber das kleine Schwellwerk, wovor sich direkt angebaut auch der 2-manualige Spieltisch befand. Der Schall verfing sich nun zwischen den beiden Orgelwerken und der Spitzbogen sowie eine Glasbrüstung verhinderten, dass der Klang direkt ins Kirchenschiff gelangen konnte. Für den Organisten, der sich zwischen den beiden Werken befand, eine äußerst unangenehme Situation. Der Klang war oben auf der Empore viel zu laut und bei der Gemeinde unten kam nur wenig an. Die Orgel konnte somit auch den Gemeindegesang nicht führen, sondern spielte eher mit. Hinzu kam eine lückenhafte neobarocke Disposition bis hin zur Zimbel 1/2' und vielen Registern aus minderwertigem Zink, die klanglich in keinster Weise überzeugen konnten.

Die umfassende Kirchenrenovierung im Jahre 2000 war für den Verfasser, der als nebenamtlicher Organist dieser Gemeinde tätig ist, Anlass, sich mit dem Orgelproblem dieser Kirche näher zu befassen. Nach der Diskussion mit mehreren Orgelbauern stellte sich schnell heraus, dass es keinen Sinn machte, die alte Orgel zu überarbeiten. Die grundsätzlich falsche Aufstellung zum Kirchenraum konnte aufgrund der vorhandenen Windladenmaße nicht verändert werden. Die Gemeinde hätte zudem noch viel Geld in die Reinigung und die Überarbeitung der Orgel investieren müssen. Auch der damalige Orgelsachverständige Helmut Peters hat uns dringend davon abgeraten, noch Geld in dieses Instrument zu stecken.

Das neue Klangkonzept

 Die besonderen räumlichen Voraussetzungen und die Fehler der Vorgängerorgel verlangten nun nach einem grundsätzlich neuen Konzept. Es wurden auch Aufstellungsalternativen im vorderen Querschiff geprüft, aber schnell aus architektonischen und Platzgründen wieder verworfen. Zunächst war einmal wichtig – unabhängig von einer evtl. stilistischen Ausprägung  – dass möglichst viel Klangvolumen direkt in das Kirchenschiff gelangt. Ein Orgelkonzept mit Rückpositiv bietet dafür eine gute Voraussetzung. Der Verfasser wollte darüber hinaus ein symphonisches Orgelkonzept verwirklichen, das mit der Entstehungszeit (um 1908) der Kirche im Einklang steht. Auch wenn das Instrument eine breite stilistische Palette der Orgelliteratur darstellbar machen sollte, so gab es den Anspruch, der Orgel einen besonderen, unverwechselbaren Charakter zu verleihen. Die Stilistik der symphonischen französisch-romantischen Orgel mit ihren charakteristischen Zungen und überblasenden Flöten sollte bei der neuen die Klangbasis bilden. Normalerweise setzt dieser Orgeltypus eine entsprechende Größe und vor allem auch ein reichlich besetztes Schwellwerk voraus. Der Grundriss der Empore aber auch die Größe der Kirche begrenzte die Anzahl der möglichen bzw. sinnvollen Register. Die Herausforderung bestand also darin, unter diesen Rahmenbedingungen ein Klangkonzept zu entwickeln, durch das sich auch größere symphonische Werke, wie z. B. Orgelsymphonien von Guilmant und Widor, annähernd überzeugend darstellen lassen – bei nur etwa 20 Registern. Natürlich sollte auch barocke Literatur – deutsch und französisch – ohne Kompromisse darstellbar sein. Also eine gewisse Zeitlosigkeit mit unverwechselbarem Charakter. Ein scheinbarer Widerspruch, der mit dieser neuen Orgel von Jäger & Brommer aufgelöst werden konnte. 

Der technische Aufbau

Neben dem eher barock disponierten Rückpositiv erhielt die neue Orgel ein schwellbares (!) Hauptwerk mit den charakteristischen romantischen Stimmen, inklusive Streichern, drei französischen Zungen und einem Plein Jeu – eigentlich Registern, die man üblicherweise im französischen Récit findet. Sämtliche Pedalregister werden über Transmissionen aus dem Hauptwerk erzeugt, so wie man das von kleineren Cavaillé-Coll-Orgeln kennt. Die beiden wichtigsten Register des Pedals – der Subbass 16' (Bourdon 16') und Octavbass 8' (Principal 8') – sind nicht schwellbar, da sie hinter dem Gehäuse an der Turmwand bzw. im Prospekt stehen. Damit ist sichergestellt, dass das Pedal über die nötige Stärke auch bei geschlossenem Schweller verfügt. Genau genommen verfügt die Orgel über lediglich zwei Teilwerke: das Rückpositiv und das Hauptwerk. Aber wie lässt sich daraus eine symphonische Orgel konzipieren?

Der Spieltisch mit mechanischer Tontraktur und elektrischer Registertraktur ist zusätzlich zu den beiden Manualwerken (Rückpositiv III. Manual, Hauptwerk/Schwellwerk II. Manual) und dem Pedal mit einem Koppelmanual (I. Manual) ausgestattet, das permanent mit dem Rückpositiv verbunden ist. Über die Suboktavkoppel lässt sich das Rückpositiv zusätzlich auf das Koppelmanual querkoppeln. Die Windversorgung, die Pfeifenmensur und auch die Intonation ist so ausgelegt, dass nun aus dem Rückpositiv ein voluminöses Hauptwerk auf Principal 8'-Basis geworden ist. Die Tatsache, dass die untere Oktave nicht ausgebaut ist, fällt spätestens nach der zusätzlichen Kopplung des reichlich besetzten Schwellwerkes mit seinen zwei 16'-Registern und dem nicht schwellbaren Principal 8' aus dem Prospekt nicht mehr ins Gewicht. Aus diesem Aufbau ergibt sich zur Darstellung symphonischer Orgelmusik eine praktisch dreimanualige Orgel mit den benötigten Teilwerken Hauptwerk (I), Schwellwerk (II) und Positiv (III). Die eingebaute Setzeranlage erleichtert dabei die schnellen Registerwechsel.

Bei der Darstellung von Barockmusik ist die Werkaufteilung nach klassischem Vorbild vorgesehen, das Hauptwerk ist  jetzt wirklich das Hauptwerk und weiß aufgrund der ausdrucksstarken Principale und des glänzenden Plein Jeu auch bei französischem und deutschem Barock zu überzeugen. Das Rückpositiv – eigentlich ein typisches Merkmal barocker Orgeln – mit seinem aufgefächerten Cornet und dem Cromorne 8' lässt reizvolle Klangabstufungen und -mischungen nach barockem Vorbild zu. Ein dezentes Scharff stellt die Verbindung zum norddeutschen Barock her. Als Stimmungsmodell wurde bewusst eine modifiziert ungleichstufige Temperierung nach Bach/Kellner gewählt. Es sind dabei alle Tonarten gut spielbar, jedoch die Grundtonarten gewinnen gegenüber der gleichstufigen Temperierung deutlich an Reinheit.

Innovative Konzepte im Orgelbau

Interessant war bei der Ausschreibung, die in Zusammenarbeit mit OSV Helmut Peters angefertigt wurde, dass einige Anbieter dieses unkonventionelle Konzept des Verfassers teilweise ignoriert, teilweise auch wohl nicht verstanden haben. Innovative konzeptionelle Ideen verlangen ebenso innovativ denkende Orgelbauer, die auch bereit sind, in den intensiven Dialog zu treten. Die Orgelbauer Jäger & Brommer waren sofort von der neuartigen Konzeption angetan und haben ein in jeder Hinsicht überzeugendes Ergebnis geliefert. Auch die Fachwelt zeigte sich bisher sehr interessiert an diesem neuen Konzept. Christoph Grohmann, ehemaliger Orgellehrer des Verfassers, diente bei diesem Projekt nicht nur als kompetenter Diskussionspartner und Berater, sondern spielte auch das Einweihungskonzert. Die Abnahme der Orgel erfolgte durch Johannes Krutmann, Beauftragter für den Orgelbau in der Erzdiözese Paderborn.

Die Fachwelt ist herzlich eingeladen, sich von diesem ungewöhnlichen Instrument ein persönliches Bild zu machen. Die Orgelfestschrift kann über das Kath. Pfarrbüro Halle, Bismarckstraße 13, 33790 Halle/Westfalen oder per eMail (herzjesu@gmx.de) für 6 € bezogen werden.




Disposition

I. Koppelmanual C-g³

II / I

III / I 16´ Suboktavkoppel

II. Hauptwerk C-g³

1. Bourdon 16´
2. Prinzipal 8´
3. Bourdon 8´
4. Gambe 8´
5. Voix Céleste 8´
6. Prestant 4´
7. Flûte Octaviante 4´
8. Octave 2´
9. Plein Jeu 4 rgs
10. Basson 16´
11. Trompette harmonique 8´
12. Hautbois 8´
Tremblant

III. Rückpositiv C-g³ permanent mit I. Manual verbunden

13. Rohrflöte 8´
14. Prinzipal 4´
15. Koppelflöte 4´
16. Nasard 2 2/3´
17. Flagoelet 2´
18. Terz 1 3/5´
19. Quinte 1 1/3´
20. Scharff 3 f
21. Cromorne 8´
Tremblant

Pedal C-f’ Transmissionen aus dem Hauptwerk

22. Subbass 16´
23. Octavbass 8´
24. Bourdon 8´
25. Prestant 4´
26. Basson 16´
27. Trompette 8´

Koppeln: II/I; II / Ped ; III / Ped ; II / Ped 4´; III/I16´

Gehäuse: selbsttragend in massiver Esche
Mechanische Spieltraktur
Elektronischer Setzer mit 4000 Kombinationen
Stimmung: ungleichstufige Temperierung nach Kellner

 

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