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Der Orgelmacher Mathias Martin
Meister Mathias Martin
(20.4.1765 - 8.10.1825) wurde in Ettenheimmünster geboren. Die dortige
Benediktinerabtei Ettenheimmünster galt als eine Hochburg der
Kirchenmusik. Weitgespannte Beziehungen zu führenden Komponisten und
Orgelbauern ließen Ettenheimmünsters Klostermusik zur bedeutendsten in
der Straßburger Benediktinerkongregation aufsteigen. Jene Benediktiner
erkannten das Talent des jungen Mathias Martin und ließen ihn zum Orgelbauer ausbilden. Nach der Lehrzeit seinem Onkel Anton Ohnemus in Mainz trat Mathias Martin
1781 für zwei Jahre in die Werkstatt des berühmten badischen
Hoforgelmachers Ferdinand Stieffel in Rastatt ein und arbeitete auch
bei Conrad Sauer, dem Silbermann Nachfolger, in Straßburg. Danach wagte
er die Werkstattgründung im Ettenheimer Gebiet. Die Betreuung der
Silbermannorgel des Klosters Ettenheimmünster, der großen
Riepp-Rabiny-Orgel in der Abtei Schuttern und der Stadtkirchenorgel
Stieffels in Ettenheim verschafften ihm intime Kenntnisse der
Werkeigenschaften der bedeutendsten oberrheinischen Orgelbaumeister
seiner Zeit. Dabei entwickelte sich Mathias Martin nicht zum
reinen Nachahmer, sondern er strebte danach, fränkische und
französische Orgelcharakteristika zu einem eigenen, für Südbaden
typischen spätbarocken Orgeltypus zu vereinigen. Sein erster
Orgelneubau ging nach Schnieheim bei Lahr. 1799 verlegte Mathias Martin
seine Werkstatt nach Waldkirch. Damit erschloß er sich den Breisgau als
Arbeitsgebiet. 38 Orgelneubauten verließen seine Werkstatt. Seine
Orgelinstrumente dürfen heute zu den historischen Kostbarkeiten unserer
Landschaft zählen. So sind besonders die Orgeln in Schmieheim, Altdorf,
Neuershausen und Vörstetten zu nennen. Seine erhaltenen Orgeln, meist
einmanualig mit Pedal gebaut, überzeugen nach wie vor durch die
soliden, geschickten Werkkonstruktionen, durch ihre schönen (zuerst
barocken dann klassizistischen) Gehäuse und durch ihre klaren, feinen
Klangfarben.
Von der Mathias-Martin-Orgel sind nachfolgend aufgeführte Originalteile vorhanden:
1. Gehäuse
Das Hauptgehäuse in Eichenholz mit Verzierungen.
Der charakteristische Spielschrank und das Pedalgehäuse (Martin baute das freistehende Pedal immer ohne Obergehäuse) fehlen.
Die
farbliche Fassung wurde wahrscheinlich erst später durchgeführt. Die
Kassettendecke war ursprünglich nicht bemalt. Über dem Hauptturm ist
die Decke noch in Naturholz. Daraus ist zu schließen, daß die farbliche
Fassung erst später erfolgte.
2. Die Windladen
Die
Windladen sind original erhalten. Tonumfang bei Martin ab 1799 C -
f’’’ Ober- und Unterseite gespundet, Schleifenbahnen beledert. Stöcke
aufgenagelt, Ventilquerschnitt im Manual dreieckig im Pedal
trapezförmig. C - d° Doppelventile für Pedalkoppel, Schiede
durchgebohrt. Pedallade C - d°. Diese Bauart läßt sich bei allen Martin
Orgeln finden. Martin baute keine Pedale mit mehr als 15 Töne.
Die meisten Rasterbretter sind erneuert.
3. Spiel und Registertraktur
Weitgehend
original erhalten. Klaviatur wurde ersetzt. Orginale Tafelbreite 741
mm. Holzwellen in Eisenstiften filzlos gelagert Pedal über ein
liegenden Koppelwellenrahmen mit eigenen Ventilen im Hauptwerk spielbar.
Registertraktur
direkt über Schwerter ohne Registerwellen original. Für das Pedal
werden Registerwellen verwendet, wahrscheinlich original. Martin baute
52 mm starke Registerwellen mit Eisenärmchen. Die vorhandenen sind mit
Holzärmchen. Da diese abgekröpft sind ist es durchaus möglich daß es
sich um die originalen Wellen handelt.
4. Windanlage
Die
original Windversorgung der Orgel ist nicht mehr vorhanden.
Ursprünglich waren wahrscheinlich 3 Bälge vorhanden. Martin baute meist
fünffaltige Keilbälge Länge: Breite 2:1. Die vorhandene Windanlage ist
ungenügend.
5. Pfeifenwerk
Prospekt
1973 erneurt. C - Ds in Holz gedeckt ab E im Prospekt stehend.
Prospektpfeifen bei Martin aus 12löthigem englischen Blockzinn.
Mittelpfeife der Türme mit Rundlabien restliche Prospektpfeifen mit
Spitzlabien. Labienbreite / Spitzenhöhe 2:5 . Einziger uns bekannter
Originalprospekt ist in Oberprechtal Kath. Kirche. Bei den Innenpfeifen
verwendete Martin 33% Sn für die Füße
37% , 50% , 62,5% und 75% Sn für die Metallpfeifen. Dünne Kerne, 80° Phase bei Prospektpfeifen 60° - 70° bei Gedecktpfeifen.
1973
wurde die ursprüngliche Disposition wieder hergestellt. Larigot 1 1/3’,
Siflet 1’ sowie die Trompete 8’ wurden neu angefertigt. Die restlichen
Register sind zum größten Teil original erhalten. Die Füße der
Metallpfeifen sowie die Kerne sind bei den meisten Metallpfeifen
erneuert worden. Es ist noch zu prüfen ob die Kerne denen von Martin
entsprechend gebaut sind. Der Zustand der Metallpfeifen ist als
schlecht zu bezeichnen . Viele Pfeifen sind an der Mündung stark
beschädigt. Im Labienbereich sind ebenfalls Beschädigungen
festzustellen. Die momentane Stimmtonhöhe liegt über 440 Hz. Herr
Sulzmann schreibt ,dass die Orgel um einen Halbton gerückt wurde.
Martin baute bis 1807 seine Orgeln mit dem französischen
Kammerton A 393 Hz. anschließend mit dem Oberrheinischen Chorton 425 Hz.
Wir
gehen davon aus, daß die Orgel um einen Ganzton gerückt wurde nur so
ist die momentane Stimmtonhöhe zu erreichen, ohne daß die Deckel des
Bourdon 8’ abgelötet wurden. Martin stimmte seine Orgeln ab 1802
temperiert. Dies wird auch dadurch belegt, daß das Pfeifenwerk gerückt
wurde und die Deckel nicht umgelötet werden mußten. Daß die Orgel von
Martin temperiert gestimmt wurde ist auch aus der Disposition zu
erkennen. Mit Einführung der temperierten Stimmung viel die
eigenständige Terz 1 3/5’ weg, da diese nicht mehr wie bei der
mitteltönigen Stimmung rein klang. Vor 1802 stimmte Martin seine Orgeln
mitteltönig nach Silbermann. Hierbei könnte das Pfeifenwerk nicht
gerückt werden ohne die Bourdonpfeifen umzulöten um eine temperierte
Stimmung zu erhalten. Die Flautravers 8’ ab f ist ein für Martin
typisches Register. Die Pfeifen wurden abgeschnitten, so daß die
Aufschnitte erniedrigt werden mußten. Die Pedalregister sind weitgehend
erhalten. Verschiedene Einzelpfeifen wurden durch neue ersetzt. Der
Trompetbaß 8’ wurde wie die Pedalerweiterung 1973 neu angefertigt.
Mathias Martin verwendete einen Winddruck von 50-60mmWS.
Aus
der Sicht als Restaurator und als Waldkircher Orgelbauer sind wir
Mathias Martin verpflichtet und eine Restaurierung kann eigentlich nur
die konsequente Rückführung dieses Instrumentes bedeuten. Die andere
Möglichkeit ist die Instandsetzung und Sicherung des jetzigen
Bestandes sowie die Erneuerung der Windanlage nach Vorbild Martin. Auf
jeden Fall wird vor Beginn der Arbeiten eine Dokumentation dieser
Orgel erstellt werden. Der Orgelmacher Mathias Martin hat den Übergang
von der Barock- zur Spätbarockorgel als schaffender Orgelbauer
mitgestaltet und zählt zu den bedeutenden Orgelbauer Südbadens.
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